„In Dollars, It’s much Less“ – Kritik: TO ROME WITH LOVE

O: To Rome With Love, ITA/USA 2012 R: Woody Allen mit Alec Baldwin, Jesse Eisenberg, Woody Allen, Judy Davis, Ellen Page, Flavio Parenti, Fabio Armiliato, Roberto Benigni und Greta Gerwig 

Woody
Allen, der kultig-ulkige (Stadt)Neurotiker, der, der so etwas an sich hat, so eine
spezielle Art von Humor – schwer zu beschreiben. Seine Filme sind namhaft für
erzählerische Leichtigkeit, weil sie meinen, was sie zeigen und dabei immer
menschlich bleiben. Sie stehen für einen lockeren Rhythmus in
Schrittgeschwindigkeit und sind doch immer recht… dezent? Aber vor allem sind
sie sehr charmant!

Um was geht’s?
Ein Ausschnitt: Der italienische und in Rom lebende Architekturstudent Jack (Jesse Eisenberg) lernt auf dem Weg nach Hause den bekannten amerikanischen Architekt John (Alec Baldwin) kennen, mit dem er sich schnell anfreundet. Seine Freundin Sally (Greta Gerwing), mit der er glücklich eine Beziehung führt, nimmt indes ihre frisch getrennte Freundin Monica (Ellen Page) bei ihnen zu Hause auf, zu der sich Jack ziemlich schnell und ziemlich heftig hingezogen fühlt – oder besser: Sie hat so eine (sexuellen) Aura. Währenddessen reisen Jerry (Woody Allen), ein ehemaliger Opernregisseur, und seine Frau Phyllis (Judy Davis) nach Rom, um Michelangelo (Flavio Parenti), ihren zukünftigen Schwiegersohn, und dessen Familie kennenzulernen. Als Jerry den Vater von Michelangelo unter der Dusche singen hört, weiß der vom Rentenalltag gelangweilte Amerikaner genau: Auf ihn wartet eine große Karriere…

Die Kritik:

Okayokay,
um Lügen und die Beichte morgen früh um Acht zu umgehen: Ja, ich sündige, das
war mein erster Allen! Aua. Aua! Nicht schlagen! Ich weiß doch, dass es eine Schande
ist, und der ein oder andere wird sich  nun vielleicht an die Stirn fassen, sie runzeln und sich fragen, wie ich es soweit im Leben gebracht habe. Den Allen umgangen,
so eine Schweinerei. Ich gelobe mir aber Besserung, denn vor nicht allzu langer
Zeit habe ich es getan. Ich habe Allen geguckt! Mit TO ROME WITH LOVE habe ich die Affäre begonnen. Und nur so viel
vorweg: gerne wieder. Aber das nächste Mal dann lieber in Paris, der
Abwechslung halber.

Szenenbild
Wobei
die Abwechslung immer da sein dürfte, wenn ich es mit Woody mache. Stilistisch
und in Sachen Tempo und Größe hängt der den anderen definitiv hinterher. Aber
die Lieblichkeit, mit der Allen den Regiestab führt, hat mich doch so sehr umgarnt, dass ich mich kaum zügeln kann, bis wir unsere Rendezvous in Paris in Nacht
fortsetzen. So erzählt der Film (Synonym: mein erster Allen) romantische
Kurzgeschichten aus „Amore Roma“, die nicht wirklich viel bieten, dennoch aber
unauffällig sympathisch sind. Etwas trottelig sind sie derweil alle, die Menschen,
die wir durch Rom und ihre ganz persönliche Odyssee des „Amore“-Faktors, der
Liebe begleiten. TO ROME WITH LOVE ist
keiner dieser verstrickten Episodenfilme, wo Person A Person B streift, während
Person C die Schwiegermutter von A erregt, die rein zufällig die
Zwillingsschwester der Oma von B ist. Auch der Froschregen bleibt erwartet aus.
Es ist vielmehr eine Aneinanderreihung von untereinander unabhängigen
Kurzgeschichten, aus denen sich das römische Liebesspiel zusammensetzt – wie ein
kleiner, sinnlicher Sommernachtstraum (bei -10 Grad draußen). Ein Traum, bei dem sich die Bilder an kulturelle Plätze und Prunkbauten haften, und die Schauspieler, darunter Alec Baldwin als skurriler US-amerikanischer Architekt, mindestens einmal im Film irgendwie damit in Verbindung kommen.

Das hat mir
überaus gefallen. Ich könnte suchen und ich würde finden, wenn es um Fehler
geh
t, die Allen begeht, wie etwa die äußerst oberflächliche Kehrseite des Berühmtseins, aber ich bin ehrlich: Ich wurde lange nicht so locker
leicht und charmant durch einen Film geleitet. Dabei begehe ich jetzt bestimmt
den Fehler, dass andere Allens noch sehr viel besser sind, und ich das
fatalerweise nicht weiß, und ich diesen hier jetzt viel zu hoch bewerte. Aber
wenn dem so sein sollte, und das tatsächlich so ist, dann ist Woody genau mein
Mann! 
So also ging ich TO ROME WITH LOVE, um übermorgen am Chateau de Versailles in Frankreich auf dich zu warten. Wenn du mich siehst, wackel einmal neurotisch mit dem Kopf, damit ich dich seh’. Einen Espresso bringe ich dir mit. Versprochen.

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